BORS

Berufsorientierung in der Realschule

I. Leitgedanken zum Kompetenzerwerb

Die Berufsorientierung nimmt in der Realschule eine zentrale Funktion auf dem Weg zur Berufswahlreife der Schülerinnen und Schüler ein. Projektorientierte Arbeitsformen fordern und fördern neben den fachlichen Kompetenzen die für diesen Prozess unerlässlichen sozialen, personalen und methodischen Kompetenzen in besonderer Weise.
An der Schule vor Ort werden in den schulischen Gremien und in Arbeitsgruppen die schulspezifischen Grundsätze, die spezifische BORS-Konzeption, Zuständigkeiten und Zeitfenster für die Jahresplanung festgelegt.
Als Thema der Schulgemeinschaft weist jedes Fach und jeder Fächerverbund an geeigneten Stellen auf berufsorientierende Aspekte hin und schafft praktische Bezüge zur Arbeitswelt. Dies macht eine gemeinsame inhaltliche und zeitliche Jahresplanung und Abstimmung der in der entsprechenden Klassen- stufe unterrichtenden Lehrkräfte zu Beginn eines Schuljahres notwendig. Mit in der Planung sind entsprechende Zeiträume für projektorientierte Arbeitsweisen der Schülerinnen und Schüler vorzusehen.
Im Rahmen des Themenorientierten Projekts BORS planen die Schülerinnen und Schüler im Team Vorgehensweisen zur Erlangung persönlicher Berufswahlkompetenz, legen Fixpunk te fest und erarbeiten sich selbstständig einen Überblick über zentrale Gesichtspunkte der Berufs- und Arbeitswelt. Hierbei hinterfragen sie geschlechtsspezifische Zuordnungen von Berufen und erkennen die Bedeutung eigenverantwortlicher Berufswahlentscheidungen. Bei den einzelnen Projektschritten werden sie von den Lehrkräften beraten und unterstützt. Das Einbeziehen der Eltern, der Arbeitsverwaltung, außerschulischer Partner wie auch der Kontakt zu ehemaligen Realschülerinnen und Realschülern öffnet das Thema und schafft Raum für selbstständige Kontaktaufnahmen, Erkundungen und Befragungen.
Die Lehrkräfte sind regelmäßig im Dialog mit außerschulischen Experten aus Betrieben, Behörden und den auf der Realschule aufbauenden Schulen.
Die Schülerinnen und Schüler dokumentieren den gesamten Prozess der Berufsorientierung in einer individuellen Projektmappe. Sie reflektieren ihre Projektphasen, ihre beruflichen Ziele und Vorstellungen vor dem Hintergrund der erworbenen Erfahrungen und Kompetenzen. Dadurch erhalten sie Stärkung für ihre beruflichen Vorstellungen oder können systematisch Alternativen entwickeln und sich neu orientieren. In einer Projektprüfung, die aus Projektmappe, Einzel- oder Gruppenpräsentation und Dialog besteht, werden neben den fachlichen Leistungen auch die überfachlichen Leistungen beobachtet und bewertet.

II. Kompetenzen und Inhalte

1. GESICHTSPUNKTE BEI DER BERUFSWAHL
Die Schülerinnen und Schüler können

  • in Gruppen einen Arbeits- und Zeitplan mit entsprechenden Teilzielen der Berufsorientierung erstellen;
  • sich selbstständig über grundlegende Kategorien von beruflichen Interessen und Fähigkeiten Klarheit verschaffen, eigene Interessen und Fähigkeiten entsprechend zuordnen, dokumentieren und sachbezogen präsentieren;
  • sich im Prozess der Selbstfindung in Gruppen gegenseitig beraten;
  • die schriftlichen und elektronischen Medien der Arbeitsverwaltung für den eigenen Prozess der beruflichen Orientierung sachgerecht einsetzen;
  • betriebliche und schulische Ausbildungsgänge von einander unterscheiden und die Kategorien eines Berufsbildes an einem selbst gewählten Beispiel aufzeigen und präsentieren.

2. BILDUNGSWEGE IN BADEN-WÜRTTEMBERG

Die Schülerinnen und Schüler können

  • in Gruppen eine Expertenbefragung vorbereiten, durchführen und auswerten;
  • in Gruppen mit zuständigen Experten Kontakt aufnehmen und sich einen Überblick über wesentliche, auf der Realschule aufbauende weiterführende Schulen verschaffen sowie Zugangsvoraussetzungen exemplarisch aufzeigen und grundlegende Unterscheidungsmerkmale darstellen.

3. DAS BERUFSAUSBILDUNGSVERHÄLTNIS

Die Schülerinnen und Schüler können

  • in Gruppen selbstständig mit zuständigen Experten Kontakt aufnehmen und aus diesen Begegnungen grundlegende Rechte und Pflichten von Ausbildenden und Auszubildenden darstellen;
  • in Gruppen selbstständig mit zuständigen Experten Kontakt aufnehmen, Fragen zu Bereichen und Funktionen der gesetzlichen Sozialversicherung vorbereiten und sich Klarheit über die Säulen sozialer Sicherung verschaffen.
  • Außerdem kennen sie die Bedeutung des Jugendarbeitsschutzgesetzes durch die Bearbeitung adäquater Rechtsfälle und durch Gespräche mit Experten aus der Praxis.

4. DIE BETRIEBS- UND ARBEITSPLATZERKUNDUNG

Die Schülerinnen und Schüler können

  • selbstständig Kontakt zu Betrieben aufnehmen und für sich einen Praktikumplatz vereinbaren;
  • Sinn und Zweck grundlegender Verhaltensregeln und wesentlicher Unfallverhütungsvorschriften erläutern;
  • anhand der selbst erstellten Beobachtungs- und Erkundungsaufgaben eigene Erfahrungen, Eindrücke und Beobachtungen wiedergeben;
  • aus den gewonnenen Erfahrungen und Eindrücken eine qualifizierte Einschätzung für die weitere Vorgehensweise im Rahmen des eigenen BORS- Projektes abgeben;
  • die Erfahrungen aus der Betriebs- und Arbeitsplatzerkundung dokumentieren und die Dokumentation entsprechend der Anforderungen an Vollständigkeit, Übersichtlichkeit und Sorgfalt erstellen;
  • eine Kurzpräsentation über die Betriebs- und Arbeitsplatzerkundung abgeben, in Gesprächs- runden ihre Erfahrungen reflektieren sowie Kritik angemessen äußern und auch annehmen.

5. DIE BERUFSWELT IM WANDEL

Die Schülerinnen und Schüler können

  • die Wirtschaftssektoren benennen und ihnen Berufe zuordnen;
  • Bilder, Grafiken und Statistiken decodieren und versprachlichen;
  • Veränderungen in den Wirtschaftssektoren aufzeigen und den damit verbundenen Rückgang oder Wegfall von Berufen sowie das Entstehen neuer Berufe herausstellen;
  • die neuen Berufe mit den damit verbundenen neuen Qualifikationen aufzeigen;
  • die Notwendigkeit und die Bedeutung von Fortbildung und Mobilität aufzeigen und einen eigenen Standpunkt vertreten;
  • familiäre Veränderungen, geschlechtsspezifische Rollenerwartungen, die Herausforderungen von Berufstätigkeit und Familie und entsprechende Handlungsalternativen aufzeigen und beurteilen.

6. BEWERBUNG KONKRET

Die Schülerinnen und Schüler können

  • Telefongespräche vorbereiten und durchführen;
  • individuelle Bewerbungsunterlagen, die den Anforderungen an Vollständigkeit, Übersichtlichkeit, Aussagefähigkeit und Sorgfalt entsprechen, entwerfen und zusammenstellen;
  • für ein fiktives Vorstellungsgespräch Rollen vorbereiten, das Rollenspiel durchführen, darin gezeigtes Bewerberverhalten reflektieren und Anregungen aus der Gruppe annehmen;
  • kritisch Misserfolge analysieren, mögliche Ursachen erkennen und Handlungsalternativen entwickeln.
  • Außerdem kennen sie die Bedeutung und Qualitätsanforderungen zeitgemäßer Bewerbungsunterlagen.

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